Dornholzhausen

Waldenser-Kolonie bei Bad Homburg

Die Waldenserkolonie Dornholzhausen wurde aufgrund eines Privilegs des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg vom 28.4/8.5.1699 auf der Gemarkung eines längst wüst gefallenen früheren Dorfes, dessen Namen sie erhielt, angelegt. Die Verhandlungen für die Waldensergruppe aus dem Pragelatal führten auch hier der Pfarrer Jacques Papon und der niederländische Bevollmächtigte Pieter Valkenier, an den heute noch ein Straßenname erinnert. In Dornholzhausen ließen sich 30 Familien, vor allem aus Méan, nieder. Sie brachten ihren Pfarrer David Jordan mit.

Wirtschaft

Der Haupterwerb war Ackerbau, aber daneben wurde auch Handwerk (Strumpfwirkerei), z. T. in Hausindustrie für die Friedrichsdorfer Fabrikanten, betrieben. Im 19. Jahrhundert erfreute sich der kleine Ort dann gewisser Beliebtheit bei Kurgästen (Bad Homburg) und Besuchern des nahegelegenen Römerkastells Saalburg. Philipp Heinrich Bürgy aus der bekannten Orgelbauerfamilie hatte zu Beginn des Jahrhunderts in Dornholzhausen seine Orgelwerkstatt.

Kirchenbau

Eine kleine Kirche, die 1701/02 errichtet worden war, wurde 1724 durch die heute noch bestehende Waldenserkirche ersetzt. Sie erfuhr, sowohl im Äußeren (durch eine Turmerhöhung, Zumauern und wieder Aufbrechen der Frontfenster) als auch im Inneren viele Veränderungen. Heute erinnern an der Kanzel noch die Darstellung einer Taube mit dem Ölzweig und die Inschrift Je trouve ici mon asile und an der Wand die Anzeigetafeln für Psaume und Cantique an den französischen Ursprung. Die sechs (modernen) Glasfenster zeigen u.a. das Hugenottenkreuz, den waldensischen Leuchter mit den Sternen auf der Bibel, die Palme aus dem Kirchensiegel (Umschrift: Eglise Vaudoise de Dornholzhausen. Le juste fleurira comme le palmier) und das dornige Holz der ehemaligen Dorfgemeindewappens. Bis 1884 wurde der Gottesdienst in französischer Sprache gehalten, seit 1857 auch in deutsch. Die Gemeinde nennt sich heute „Evangelische Waldenserkirchengemeinde“.

Die Kirchenbücher ab 1716 und für die Jahre, in denen Dornholzhausen einen eigenen Pfarrer hatte, werden in der Kirchengemeinde aufbewahrt; sie sind bis 1884 in Französisch geführt. Für die Anfangsjahre und für die Zeit ohne Ortsgeistlichen sind sie mit denen der französisch-reformierten Homburger Gemeinde gemeinsam. Dornholzhausen hatte nämlich aus Geldmangel lange Jahre keinen eigenen Geistlichen, sondern wurde von Homburg vor der Höhe bzw. Friedrichsdorf mitversorgt. Von 1715 bis 1755/65 bestand eine Union mit der Homburger französisch-reformierten Gemeinde.

Heute

Dornholzhausen wurde 1972 in die Stadt Bad Homburg vor der Höhe eingemeindet. Der Stadtteil hat heute 1.899 Einwohner. An die Anlage als Waldensersiedlung erinnert heute - außer der Kirche - nur noch das Aussehen der Dornholzhäuser Straße, mit noch etlichen kleinen giebelständigen Häusern, die allerdings nicht mehr den Originalzustand wiedergeben. Auf dem Friedhof finden sich noch zwei Grabsteine mit französischen Inschriften, von denen der eine sehr schön den Übergang zur deutschen Sprache aufzeigt (Bertalot).

Das neue Gemeindezentrum trägt den Namen „Petrus-Waldes-Haus“. Es werden noch altes Taufgerät aus der Einwanderungszeit sowie eine Bibel und Psalm-Ausgaben aus dem 17. Jahrhundert in französischer Sprache aufbewahrt. In den siebziger Jahren wurden Beziehungen zu Waldensergemeinden des Piemonts, wie z. B. Biella, aufgenommen. Die 275-Jahrfeier im Jahre 1974 war Anlass zur Erinnerung an die Ursprünge der Waldensersiedlung Dornholzhausen.

Text: Barbara Dölemeyer

Anmerkung der Redaktion: Die Teilgemeinde Dornholzhausen hat heute etwa 5000 Einwohner

Internet: www.dornholzhausen.de >>

Literatur

Louis Achard, Die Waldensercolonie in Dornholzhausen, Magdeburg 1894. Birgitta Duvenbeck, Die Waldensersiedlung Dornholzhausen, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde zu Bad Homburg vor der Höhe, 32 (1974), S. 25-84.

G. Achenbach, Kleine Chronik der Evangelischen Waldenser-Kirchengemeinde Bad Homburg-Dornholzhausen, o.O. o.J. (um 1985). ( Ist vergriffen)

Barbara Dölemeyer, Die „reformierte Landeskirche“ in der Landgrafschaft Hessen-Homburg, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde zu Bad Homburg vor der Höhe, 40 (1991), S. 5-51.

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