Untermutschelbach

Im Jahre 1700 baten waldensische Familien aus Mörfelden in Hessen Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg um Aufnahme in seinem Land. Auf Vorschlag von Vogt Greber von Maulbronn, der für die Vertriebenen ein warmes Herz hatte, siedelte der Landesherr die Bittsteller in den Gemarkungen Grünwettersbach und Mutschelbach an. Diese Gemarkungen bildeten eine württembergische Exklave im Badischen und lagen seit dem Dreißigjährigen Krieg fast brach. Mutschelbach zählte nur noch neun Bürger. Am 4. Februar 1701 wurde trotz Widerspruch des Vogts von Neuenbürg und des Forstmeisters von Wildbad die Genehmigung zur Ansiedlung erteilt. So kamen 14 Familien nach Untermutschelbach und brachten bereits am 26. Juni 1701 dem Landesfürsten ihre Huldigung dar.

Geschichte

Für die Neuangekommenen begann eine harte Zeit. Die Umgewöhnung von den Alpen in die Ebene fiel ihnen schwer, denn keiner verstand den Pflug zu führen oder Ochsen anzuspannen. Die zugeteilten 150 Morgen Land reichten bei weitem nicht für ein gutes Auskommen. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde ausschließlich französisch gesprochen, gelehrt und gepredigt.
1936 wurde das Dorf Untermutschelbach mit Obermutschelbach zusammengelegt und erhielt den Namen Mutschelbach. Seit dem 1. September 1971 ist Mutschelbach Ortsteil der neugebildeten Gemeinde Karlsbad. Seit dieser Gemeindefusion heißt die frühere Hauptstraße „Waldenserstraße“. Außerdem gibt es einen „Henry-Arnaud-Weg“. Die Verdohlung des Bocksbaches, der durch Untermutschelbach fließt, wertete den Ortskern bedeutend auf. Heute präsentiert sich Mutschelbach als schmucke Wohngemeinde. Allerdings verhindert die Autobahn A 8, die im Jahre 1936-1938 zwischen Ober- und Untermutschelbach gebaut wurde, ein räumliches Zusammenwachsen. Die Einwohner von Mutschelbach sind größtenteils als Arbeitnehmer im Großraum Karlsruhe/Pforzheim tätig. Ein Gewerbebetrieb mit etwa 50 Beschäftigten befindet sich im Ort, außerdem einige kleine Betriebe.


Waldenserkirche

Die Waldensergemeinde von Untermutschelbach wurde von dem Pfarrer in Palmbach versorgt. Die Holzkirche, die die Waldenser im Jahre 1787 erbauten, wurde 1821 abgebrochen, nachdem im Rahmen der Kirchenunion die reformierte Waldensergemeinde mit der lutherischen Gemeinde vereinigt worden war. Die heutige Kirche im früheren Untermutschelbach war vor 1821 die lutherische Kirche des Dorfes. Seit 1979 ist Mutschelbach selbständige Kirchengemeinde und Pfarrort. Das 1995 eingeweihte Gemeindezentrum führt alle Mitglieder der Kirchengemeinde enger zusammen.

Andenken

Bei besonderen Anlässen wurde und wird der waldensischen Vergangenheit gedacht. Bei der 200-Jahrfeier im Jahre 1901 war das großherzogliche Paar anwesend. Beeindruckend war die Ansprache des greisen Landesfürsten Friedrich I. in der Kirche in Palmbach. 1951 wurde die 250-Jahrfeier, 1976 die 275-Jahrfeier begangen. Beim Festgottesdienst anläßlich der 700-Jahrfeier von Mutschelbach im Jahre 1978 hielt Pastor Bruno Bellion aus Bobbio Pellice die Festpredigt. 1989 nahm eine Mutschelbacher Delegation an der 300-Jahrfeier der Glorreichen Rückkehr teil.

Willi Konstandin


Literatur: Gustav Meerwein: Zion, halte deine Treu! Kurze Geschichte der badischen Waldensergemeinden Palmbach-Untermutschelbach, Karlsruhe 1901. Wolfgang Konstandin, 700 Jahre Mutschelbach 1278-1978, Karlsbach-Itterbach [1978].





Bilder

Evangelische Kirche in Untermutschelbach

Die „Wilhelmsbrücke“ mit dem Bildstock in der Waldenserstraße in Untermutschelbach



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