Deutscher Waldensertag 2017

Das Fest am Samstag begann um 14.00 Uhr mit einem Festgottesdienst mit Pröbstin Karin Held. Entlang des Liedes Tut mir auf die schöne Pforte zeichnet sie die Kirchengeschichte und die Geschichte der Kirche in Rohrbach den Gästen und der Gemeinde nahe.

Wir sind Rohrbach

Nach den Grußworten wurde im Garten des neben der Kirche gelegenen Kindergartens eine mit Hilfe der Eltern und des Bauhofes der Gemeinde erstellte große kreativ gestaltete "Matschanlage" an die Kinder übergeben.

Großen Anklang fand ein Mitsingkonzert des Männergesangvereins Eintracht Rohrbach & ChorPusdelicti,
sowie der Vortrag zur Geschichte Rohrbach durch den Heimatforscher Gerald Keller.
Am Abend spielte die Band" Radioaktive", die insbesondere die Musikrichtung der Jugend traf.


Es bleibt eine gute Erinnerung an diesen Festtag in Rohrbach.

Waldenser - Wegbereiter durch die Zeit?

Präsident Herbert Temme eröffnete mit dem Wochenspruch aus Matthäus 11 den Deutschen Waldensertag 2017. Er begrüßt viele Gäste aus den deutschen Waldenserorten herzlich. Schon seit 1849 gibt es diesen Waldensertag, der immer durch Gäste aus den unterschiedlichsten Waldenserkolonien treu besucht wird.
Das Thema des Waldensertages Wegbereiter durch die Zeit? wurde in den Grußworten mehrfach aufgegriffen und betont, dass das Fragezeichen mit gutem Recht durch ein Ausrufezeichen ersetzt werden kann. Daneben waren die Grußworte der stellvertretenden Kirchenpräsidentin der Landeskirche Hessen-Nassau, Frau Ulrike Scherf, von Landrat Peter Schellhaas, Bürgermeister Schuchmann, Ortsvorsteher Wolfgang Schlösser und Dekan Allmann durch Beispiele persönlich geprägt und auch interessant für die vielen Gäste aus den Waldenserorten in Deutschland, Italien und Frankreich. Das Grußwort von Frau Bundesministerin Zypries wurde anschließend ebenfalls verlesen.

Die Fachvorträge faszinierten, machten betroffen und eröffneten eine neue Sicht

Die studierte Ethnologin Marta Bernardini berichtete in beeindruckender Weise über ihre Arbeit im Auftrag der Waldenser/Methodistenkirche auf Lampedusa. Mit Hilfe der finanziellen Mittel aus
"otto per mille" gibt es seit 2014 ein ökumenisches Projekt der Kirchen in Italien.
Auf Lampedusa haben sie eine Beobachtungsstation zur Migration (lÒsservatorio suhle migrazioni), die Daten und Informationen sammelt und sich um die Flüchtlinge kümmert, die auf den Inseln ankommen.

Auf Sizilien ist das Haus der Kulturen(Casa delle Culture) als wichtiger Anlaufpunkt für Flüchtlinge. Das Haus bietet Unterkunft für minderjährige, unbegleitete Jugendlichen, allein reisenden Frauen und für Menschen, die besonderen Schutz brauchen. Gleichzeitig ist es ein Ort für Integration und interkulturellen Dialog.

Ein beeindruckender Bilderbogen über die Situationen auf dem Meer ließ die Menschen aus dem Vortrag still und nachdenklich hinausgehen.

Danke Marta

Ein Dank gilt auch Frau Griffiths, die Frau Bernardini aus dem Englischen übersetzt hat.

Ein Bild zum Nachdenken - Rettung aus dem Meer



Die Waldenserin in der Geschichte

Dr. Albert de Lange, wissenschaftlicher Vorstand der DWV, sprach über die Rolle der Frauen bei den Waldensern vom 12. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert. Im 12. Jahrhundert schockierten die Waldenser die römische Kirche, weil sie duldeten, dass Frauen öffentlich predigten. Der Widerstand der Kirche und Gesellschaft führte dazu, dass die Waldenserinnen bald nur noch im privaten Bereich predigen und unterrichten konnten. Sie behielten allerdings eine wichtige Rolle. Es gab noch zum Beginn des 16. Jahrhunderts Häuser, in denen nicht verheiratete Waldenserinnen zusammen lebten und sich unter anderem der Unterstützung von den ebenfalls unverheirateten Wanderpredigern widmeten.
Mit der Anschluss der Waldenser an der Reformation war es mit dieser Wertschätzung des Zölibats vorbei. Anstelle von unverheirateten, herumziehenden Wanderprediger gab es nun Pfarrer, die verheiratet waren und am Ort lebten. Waldenserinnen sollten heiraten, gebären und sie erziehen. Ihr Platz ist die Familie. Erst seit dem 19. Jahrhundert spielen Frauen wieder eine aktive Rolle im kirchlichen Leben der Waldenser als Schulmeisterin, als Diakonissen usw. Im 20. Jahrhundert wird die Ordination für Frauen eingeführt und Waldensererinnnen können nach mehr als 700Jahren wieder öffentlich predigen.

Die Waldenserfrauen / Pfarrerinnen heute

Pfarrerin Elisabeth Löh Manna aus Pomaretto hat als langjährige Pfarrerin eindrücklich über die Stellung der Frauen heute bei den Waldenser berichtet.
Vieles ist geschehen in den letzten Jahren: Eine Frau wurde Moderatorin der Chiesa Valdese e methodiste, dies wurde sehr beachtet in Italien. Frauen wurden, wie schon zu Zeiten von Petrus Valdus Predigerinnen und heute Leiterinnen ihrer Gemeinden. Dies wird aber trotz ökumenischer Fortschritte durch katholische Kollegen auch gelegentlich einfach nicht beachtet. Die waldensischen Frauen heute haben eigene Berufe, Gruppen und Gemeinschaften.
Eine interessante Entwicklung zeigte sie an der Sprachentwicklung des Padua, der alten oder okzitanischen Sprache auf. Das Wort "Pfarrer" gibt es nicht in der weiblichen Form. In jüngster Zeit hat sich jedoch ein Begriff entwickelt, zum Begriff "mistre" gibt es jetzt einen Begriff für die weibliche Form, man spricht "La fànno la mistre". Sie berichtet über weitere Aktivitäten der Waldenserfrauen heute in den Gemeinden und in der Öffentlichkeit. Ein wichtiges Projekt ist bezieht sich auf das Projekt "Gewalt gegen Frauen."

Der große Umzug zur Anreise der Waldenser nach der Flucht 1699

Nach dem ausgezeichneten Essen, dass die Kerbebuben in der Gemeindehalle anbot und das auch gut angenommen wurde sammelten sich außerhalb des Zentrums die Teilnehmer und Teilnehmerinnen etwas von der Ortsmitte entfernt um sich für den Umzug aufzustellen. Die Geschichte der Waldenser als arme Flüchtlinge wurde dargestellt, aber auch verschiedenen Waldensergemeinden waren mit Waldensertrachten unterwegs. Das war einfach schön.

Das nachstehende Foto soll einen Eindruck von dem bunten Umzug etwas mitteilen.

Die Ansiedlung der Waldenser in Rohrbach-Wembach-Hahn - ein historischer Rückblick im Spiel

Waldenserkolonie im Odenwald
Ein hessischer Landgraf, seine vier Landsknechte, ein niederländischer Gesandter und
weitere Akteure in historischen Kostümen wirkten mit beim Szenischen Spiel auf der Bühne
des Marktplatzes. Das Stück zeigte, wie es 1699 zur Ansiedlung der 48 Waldenserfamilien in
Rohrbach, Wembach und Hahn kam. Sie waren aus dem Pragelatal, das zum Herzogtum
Savoyen gehörte, wegen ihres Glaubens vertrieben worden, zunächst über die Berge nach
Genf geflüchtet und später nach in einigen deutschen Fürstentümern aufgenommen worden.
Die mittellosen Flüchtlinge bekamen von Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt zwar
Höfe und Land im Odenwald zur Pacht und gewisse Privilegien wie die freie
Religionsausübung, französische Sprache in Kirche und Schule, kommunale
Selbstverwaltung und niedere Gerichtsbarkeit zugestanden. Aber dafür waren die
Pachtbedingungen hart für die Kolonisten. Das zeigte die Szene, in der Landgraf Ernst-
Ludwig mit dem niederländischen Sonderbeauftragten Pieter Valkenier Garantien
aushandelte und eine hohe Geldsumme forderte, die Glaubensgeschwister aus England und
den Niederlanden aufbringen sollten. Viel Applaus gab es von den Zuschauern für das von
Andre Lautenschläger geschriebene Stück

Mit einem festlichen Abendmahlsgottesdienst

wurde der Deutsche Waldensertag 2017 beendet.

In einem voll Zelt wurde von Pfarrerin Löh eine ausgezeichnete und vorwärts weisende Predigt gehalten.
Die Liturgie wurde vom örtlichen Pfarrer Lubotta gehalten und anschließend wurde an 5 Tischen
das Abendmahl gehalten. Es wurde nach der Waldensertradition während des 1. Liedes hereingetragen.
Dies hat zum Hintergrund, dass man früher schauen musste, ob man beim Abendmahl unter sich war.

Nach diesem Abendmahl verabschiedete Präsident Temme die Besucher und Besucherinnen des Waldensertreffens, dass nicht nur die Gespräche und Begegnungen und Wiederaufleben von Bekanntschaften förderte sondern ein Signal für alle Waldenserorte für eine zukünftige Gemeinschaft
war.

Mit einem Dank an alle, die für diese Tage in der Vorbereitung waren, aber auch in der Umsetzung des Tages involviert waren, ebenso für die Referenten verabschiedete Herr Temme alle Gäste.

Mit dem Segen, verbunden mit einem irischen Reisesegen, entließ Herr Temme die Gäste.

Bis zum nächsten Deutschen Waldensertag

Herbert Temme

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