Fest der Begegnung am 01.Mai 2017

Liebe Mitglieder und Leser,

Gibt es schlechtes Wetter? Es kann regnen, auch etwas kalt sein, aber nichts hält unsere Mitglieder und Freunde davon ab uns auch am 01. Mai dieses Jahres zu besuchen.
Dafür sagen wir den Vielen Dank, die uns besucht haben und unsere Räume im Henri-Arnaud-Haus mit Leben gefüllt haben.

Der Tag

Dies begann bereits morgens beim Gottesdienst, den Pfarrerin Eliana Brisante und Prädikat Herbert Temme gehalten haben und der sehr gut besucht war. Der Gottesdienst wurde vom Organisten und 2 Bläsern musikalisch begleitet. Die Predigt von Pfarrerin Brisante haben wir nachstehlend veröffentlicht.
Für das Projekt der Waldenserkirche konnten wir durch Kollekten und ergänzende Aktivitäten insgesamt
900,00 € an die Tavola überweisen. Wir haben uns als DWV dem Projekt "integrative Jugendarbeit in Turin" angeschlossen. Herzlichen Dank allen Gebern dafür.


Predigt 01. Mai 2017

Predigt über Hesekiel 34, 1-2+10-16+31 in Verbindung mit Kolosser 4,6
01.05.2017
Gottesdienst beim Treffen der Deutschen Waldenservereinigung
Evangelische Kirche SCHÖNENBERG

Liebe Gemeinde,
Dankbarkeit! Aus dieser Perspektive möchte ich heute unseren Predigttext lesen. Dankbarkeit, weil Gott sich um uns kümmert, weil Er uns vor Gefahren beschützen und bewahren will.

Es ist Eine Dankbarkeit, die Verantwortung mit sich bringt, wie der Monatsspruch für Mai sagt: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt“ (Kolosser 4,6). Eine tolle Mischung; eine Einladung, sich nicht anzupassen aber trotzdem nicht unfair zu werden, nicht alles kaputt zu machen... Freundlich zu bleiben bei Kritik und bei Veränderung.

In der zweiten Osterferienwoche bin ich in Sizilien gewesen, zusammen mit Gemeindegliedern aus unserer Gemeinde in Ingolstadt und aus der Nachbargemeinde, in der mein Mann als Pfarrer arbeitet. Und ich habe die Texte, die wir gerade gelesen und gehört haben, konkret erleben und spüren können.

Falsche Hirten, die nur an sich selbst denken oder sich – bestenfalls – nur für einige zuständig fühlen, aber auch Mietlinge, die, wenn die Situation zu kompliziert wird, buchstäblich aus dem Boot aussteigen. Aber auch Dankbarkeit für das Position- Beziehen, auch wenn das, was man sagt und tut, nur wie ein Tropfen im weiten Ozean wirkt.

In Sizilien haben wir diese Dankbarkeit spüren können, die aus der Gewissheit kommt, dass Gott uns einen Auftrag gegeben hat und uns immer wieder, immer neu und immer anders die Fähigkeit gibt, diesen Auftrag auszuführen.

Wir haben Flüchtlinge getroffen, die mit Liebe und Verantwortung aufgenommen werden. Wir haben Menschen kennengelernt, die mit Begeisterung und mit immer neuen Formen versuchen, Hoffnung zu bringen, wo nur Dunkelheit herrschen würde, wo die Armut und die Arbeitslosigkeit (64% Prozent der Jugendlichen sind in manchen Orten Innersiziliens betroffen) das letzte Wort haben könnten, wenn niemand andere Perspektiven eröffnen würde…

Die heftige Kritik und der Widerstand, die die Evangelischen Kirchen in Italien üben, haben wir erlebt. Und von der heftigen Kritik des Propheten Hesekiel an den Regierenden seiner Zeit haben wir vorhin gelesen.


Liebe Gemeinde,
Hesekiel lebt im Exil im Babylon. Hier wirkt er als Prophet, von hier aus kündigt er das Gericht Gottes an. Heftige Kritik übt er an den Regierenden; sie haben nicht aus Schwäche versagt, sondern sie haben aus Egoismus und Bosheit das Volk zugrunde gerichtet!

Sie haben gehandelt wie Hirten, die einerseits ihren Profit aus der Herde ziehen, andererseits sich aber nicht um Wohlergehen und Bestand der Herde kümmern. Sich selbst haben sie geweidet, für sich selbst gesorgt!
Der Wohlstand und das Schicksal des Volkes waren ihnen gleichgültig.

Kommt uns diese prophetische Kritik nicht bekannt vor?
Ich habe von Sizilien berichtet. Aber beschreibt diese Kritik nicht Geschehnisse, die uns fast alltäglich in den Fernsehnachrichten begegnen? Wie hofft hören und lesen wir von Regierenden, die immer mehr an Macht, immer mehr an Anerkennung, immer mehr an ihr eigenes Wohlergehen denken?

Machthaber, die ihr Volk ausbeuten und zugrunde richten, denen nur die eigene Haut wichtig ist, die eigene Familie, die eigene Klientel?

Aber Hesekiel bleibt nicht in der Kritik. Er weint nicht über sich selbst, non si piange addosso, sagt man auf Italienisch. Er schafft es, die Augen nach oben zu richten.

Er schreibt auch, dass Gott sagt: „Ich selbst will jetzt nach meinen Schafen sehen und mich um sie kümmern.“ „Ich will die Verlorengegangenen suchen und die Versprengten zurückbringen.“ „Ich will mich um die Verletzten und Kranken kümmern. Ich bin ihr Hirt und sorge für sie, wie es recht ist.“

Da kommt die Dankbarkeit.
Ein neuer Anfang ist möglich; und er geschieht als Gottes Tat! Betont sagt Gott in unserem heutigen Bibeltext: „Ich selbst will“. Und im Evangelium nach Johannes sagt Jesus Christus: „Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ist bereit, für seine Schafe zu sterben.“

Das Besondere an diesem guten Hirten Jesus ist nicht seine irdische Macht, durch die er gerechte Verhältnisse schafft.
Jesus hat aber Gottes Reich sichtbar gemacht.

Und genau das ist doch die Aufgabe von Kirche und Gemeinde: Gottes Regieren durch das Evangelium von Jesus anzukündigen, darin zu leben und vielen den Zugang dazu zu ermöglichen. Denn Gott sucht und erlöst durch Jesus.

Dankbarkeit und Verantwortung. So habe ich angefangen. Dankbarkeit, weil Gott bei uns bleibt und uns stärkt, und Verantwortung für unser Mit-Welt, so dass das Reich Gottes auch durch uns sichtbar wird…

Manchmal ist es schwer so zu leben. Es ist leichter, immer nur das Schwierige wahrzunehmen. Aber ich habe einen Vorschlag für Sie. Es stammt nicht von mir, sondern von Dorothee Sölle.

Sie hat es als geistliche Übung bezeichnet. Unsere Aufgabe ist es, jeden Tag drei Dinge zu finden, für die wir Gott danken können. Dinge, in denen wir Gottes Liebe spüren konnten, oder in denen wir das Gefühl hatten, Gottes Liebe anderen spüren zu lassen. Manchmal wird das ganz leicht sein, andere Male schwierig. Probieren Sie es doch einmal aus!
In Jesu Christi Namen. Amen.


Unsere Gäste

kamen aus vielen Waldensergemeinden in Deutschland, aus Italien und Basel in der Schweiz.
Wir haben uns sehr darüber gefreut und die Gemeinschaft in der Begegnung und Gespräch genossen.
Traditionsgemäß wurden wieder viele Maultaschen gegessen, der Kartoffelkessel dampfte vor sich hin und der Quark dazu ging weg. Auch der Verkauf von gespendeten Kuchen trug zu einem für diesen Tag doch gutem Ergebnis bei.

Fleißig halfen viele mit beim Kochen, Eindecken, Gläser wegbringen und dem Spülen in der Küche.
Auch die junge Generation half fleißig mit.

Erstmals war ein Stand mit Luftballons dabei, der für die Kinder natürlich eine Attraktion war.

Allen sei hier herzlich gedankt für das engagierte Mit Tun, das auch keiner zeitlichen Arbeitseinteilung bedurfte. Jeder tat was er konnte.


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