Pforzheim

Pforzheim (Baden-Württemberg)


Die ersten Waldenser kamen 1707 nach Pforzheim, es waren zwei Frauen aus Dürrmenz und ein Ehepaar aus Wurmberg. Im 18. Jahrhundert zogen immer wieder Waldenser aus dem württembergischen Umland nach Pforzheim. Sie schlossen sich den französischen Reformierten an, die seit 1690 in Pforzheim waren und eine Goldwaren-Fabrik planten. Überfälle französischer Truppen und die Zerstörung der Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg vereitelten die Gründung, trotzdem existierte 1699 eine kleine Kolonie von fünf Familien. Da der Markgraf von Baden-Durlach französische Handwerker und Handelsleute ins Land holen wollte, wurden am 16. Juli 1700 die Priviligien für eine Gruppe von ca. 60 Hugenotten mit ihrem Sprecher Elie Lafont unterzeichnet. Dies war der Grundstein für die reformierte Gemeinde in Pforzheim. Sie wurde zunächst von Henri Arnaud betreut, dann von Abraham Sandoz aus Auerbach; Geldnot und Streit bewirkten häufige Pfarrerwechsel. Gottesdienste waren anfangs in Lafonts Wohnung am Marktplatz. Klagen über „Geschrei und Singen“ am Sonntagmorgen zwangen die „Fremden“ zum Gottesdienst in einer Scheune am Stadtrand. 1704 konnte die Gemeinde die Spitalkirche benutzen, 1718 die St. Georgskirche. Kirchenbücher beginnen erst 1766.

Geschichte

Durch die Schmuck- und Uhrenindrustrie ab 1767 erhielt die Gemeinde Zuwachs aus Frankreich, der Schweiz, durch Anglikaner aus England und Italiener. 1768 schenkte der Markgraf den Reformierten den Chor der Barfüßerkirche als Gottesdienstraum. 1821 vereinigten sich reformierte und lutherische Kirche zur Unionskirche.
Als Hugenotten und dann auch Waldenser nach Pforzheim kamen, lebten hier ca. 4.000 Menschen, heute sind es 116.000. Die von den Reformierten begründete Traditionsindustrie brachte zwei Jahrhunderte Wohlstand und Arbeitsplätze, auch für Zuwanderer und Pendler aus den benachbarten Waldenserorten. Seit 1978 wurden fast 10.000 der 16.000 Arbeitsplätze in der Schmuck- und Uhrenbranche vernichtet.


Andenken

Denkmäler oder Museen zur Geschichte der Hugenotten und Waldenser fehlen, lokale Veröffentlichungen zum waldensisch-reformierten Erbe gibt es nur wenige; im Blick auf die Jahre 1999/2000 bahnt sich eine Rückbesinnung an.

Gerhard Brändle


Literatur: Gerhard Brändle, „... die Vermischung mit dem fremden Element“. Neunzehn Jahrhunderte Zuwanderung nach Pforzheim, Pforzheim 1995. Gerhard Brändle, 300 Jahre Waldenser und Hugenotten in Pforzheim. Fremde werden Einheimische, Pforzheim 1999. Gerhard Brändle, Die Privilegien der reformierten Gemeinde in Pforzheim vom 16. Juli 1700. Original und Übertragung des Freiheitsbriefes für hugenottische Glaubensflüchtlinge; Vorgeschichte, Bedeutung und Wirkung der Privilegien, Pforzheim 1999.


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