Nordhausen (bei Nordheim)

Im Juni 1700 kamen 202 waldensische Flüchtlinge im „Unterland“ an. Es waren 52 Familien, die nach einem Jahr Aufenthalt im hessischen Waldensberg von dort wieder weggezogen waren und nun in Württemberg eine zweite Heimat suchten. Die Siedler stammten aus dem Pragelatal; ihre Heimatdörfer waren Mentoulles (118 Personen) und Usseaux (56 Personen), 28 Personen kamen aus anderen Orten. Die Gemeinden Nordheim und Hausen hatten Siedlungsland für die Waldenser abgeben müssen. Deshalb bekam die Waldenserkolonie in einem Verwaltungsakt ihren neuen Namen nach diesen Orten: Nord-Hausen. Die Bemühungen der Waldenser, ihrem Ort noch einen eigenen französischen Namen geben zu können, scheiterten endgültig im Jahr 1714.

Die Waldenserkirche

Bereits 1705 wird eine Kirche in Nordhausen erwähnt, die jedoch eine Baracke gewesen sein muß. Eine einfache Hüttenkirche wurde im Jahr 1721 in der Mitte des Dorfes errichtet. Hundert Jahre später wurde das baufällig gewordene Kirchlein abgerissen und an der selben Stelle eine neue Kirche gebaut. Über der Eingangstür stehen die Worte: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen. Diese Inschrift gibt dem Glauben der Waldenser Ausdruck, denn in der Offenbarung des Johannes, aus der der Vers genommen ist, heißt es weiter: Und Gott wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein ... und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen (Offenbarung 21, 3-4). Gott bei uns, auch in schwerer Zeit - daran konnten sie sich halten. Das hatten sie von dem harten Leben ihrer Vorfahren gelernt und als Grundsatz des Vertrauens angenommen.

Andenken

Die Kirchenbücher, die die Kolonie seit ihrer Gründung führte, werden in der Registratur des Pfarramtes aufbewahrt. Ein Schmuckstück der Kirche ist die alte, prächtige Altarbibel in französischer Sprache von 1777. Auch das Waldenserwappen mit dem Wahlspruch Lux lucet in tenebris ist in der Kirche zu sehen, als großer Wandteppich über der Kanzel; eine Nordhausener Familie hat ihn geknüpft und der Kirchengemeinde geschenkt. Auch an der Außenwand des Evangelischen Gemeindehauses ist das Wappen angebracht sowie in der Gemeindehalle. An Henri Arnaud erinnert ein Bild am Vereinsheim und ein Straßenname. Jedes Jahr an einem Junisonntag wird die Geschichte der Waldenser wieder lebendig gemacht beim jährlichen „Waldensersonntag“ mit Familiengottesdienst und geselligem Beisammensein, bei gemeinsamen Mittagessen und Kaffee.
Die französischen Familiennamen, die sich bis heute in Nordhausen erhalten haben, sind: Baral, Bonnet, Conte, Clapier, Gay, Perrot, Piston, Salen. Auch die alten französischen Flurnamen sind teilweise heute noch in Gebrauch: solitude, à l’envers, au pain perdu, à la fontaine.


Zwanzigste Jahrhundert

Nordhausen ist seit 1963 Ortsteil des Mutterortes Nordheim und hat sich zu einer schönen Wohngemeinde vor den Toren Heilbronns mit heute fast 1.500 Einwohnern entwickelt. Nur noch die Anlage des alten Ortsteils als Straßendorf zeigt waldensische Tradition; Häuser aus der Gründerzeit gibt es nicht mehr. Umgeben von Weinbergen und mit einem sehr milden Klima gesegnet, erinnert das heutige Nordhausen in nichts mehr an die einstigen waldensischen Heimatdörfer in einem Gebirgstal der Alpen.

Christrose Rilk

Literatur: Heimatbuch Nordheim und Nordhausen, Nordheim 1999




Zu den Bildern:
Nordhausen 1899 (Henri-Arnaud-Haus Ötisheim-Schönenberg)



Die Kirche von Nordhausen, errichtet 1821 (Foto Helga Sept-Möbus)



< zurück zu GESCHICHTE & GEGENWART