Neuhengstett (bei Althengstett)

Ein in jüngster Zeit aufgestelltes Ortsschild verrät dem Besucher von Neuhengstett, daß es sich hier um einen Waldenserort handelt. Das Dorf wurde am 1. September 1700 von ungefähr 130 Waldensern aus Villaret gegründet, die zunächst nach Arheilgen in Hessen-Darmstadt gekommen waren, dann aber in Württemberg zwischen Hengstett und Simmozheim angesiedelt wurden. Manche behaupten, daß der Ort am Anfang Bourcet hieß. Sicher ist, daß die Kolonie schon 1716 Neuhengstett genannt wurde.

Die Gemeinde

Jahre zurückliegen, ist Neuhengstett vor 300 Jahren auf dem Reißbrett entstanden. Die Straße führt schnurgerade durch den Ort und die Wohnhäuser stehen mit der Giebelseite zur Straße, während die Scheunen im rechten Winkel in den Höfen zurückliegen.
Hatte sich in 250 Jahren, was die Ortsgröße betrifft, recht wenig verändert, so waren die letzten 50 Jahre von derartigen Veränderungen geprägt, welche unsere Vorfahren in ihren kühnsten Träumen sich nicht hätten vorstellen können. In den Jahren 1964-68 wurde in östlicher Richtung, seit 1975 in westlicher und nördlicher Richtung Neubaugebiete erschlossen. Heutzutage hat Neuhengstett 2.000 Einwohner.
Im Jahre 1974 wurde Neuhengstettt zum Hauptort Althengstett eingemeindet. Seitdem ist die Infrastruktur wesentlich verbessert, und die Gemeinde besitzt unter Anderem eine Turn- und Festhalle, zwei Sport- und Tennisplätze und ein Gemeindehaus. Hauptberufliche Landwirte gibt es in Neuhengstett nicht mehr. Die meisten Bewohner, welche zur Arbeit gehen, sind Pendler in die umliegenden Industriegebiete wie Sindelfingen, Stuttgart, Calw. Im Dorf selbst gibt es noch einige kleine Handwerkbetriebe.


Kirche und Friedhof

Neuhengstett ist eine eigenständige Pfarrgemeinde. Bereits 1702 wurde eine kleine Holzkirche errichtet, die 1719 durch eine größere Kirche, wieder aus Holz, ersetzt wurde. 1769 wurde die jetzige steinerne Kirche erbaut, welche 1991/92 renoviert worden ist. Die Kirchenbücher gehen bis auf das Gründungsdatum 1. September 1700 zurück.
Bis 1932 wurden die Toten im sogenannten „alten Friedhof“ beerdigt. Dieser wurde wegen Platzmangel aufgelassen. Heute steht dieser ehemalige Friedhof unter Denkmalschutz. Er wurde 1961 zu einer Gedenkstätte der hier angesiedelten Waldenser und zu einem Park umgestaltet.

Waldenserstein

Das Wahrzeichen von Neuhengstett ist der „Waldenserstein“. Dieser wurde am 3. Mai 1881 zur Erinnerung an jene damals eingewanderten Waldenser Familien aufgestellt. Von seinem Standort aus hat man einen schönen Blick auf Neuhengstett. Die letzte Waldenserfeierlichkeiten fanden 1932 und 1950 statt.
Von Menschen bitterster Armut in jenen Gründungsjahren um 1700 sind die Neuhengstetter Waldenser im Laufe der Zeit zu Schwaben geworden. Erinnert wird der Besucher an deren Geschichte vor allem durch die Familiennamen, die sich bis heute erhalten haben.

Egon Luz

Literatur: Neuhengstett. Geschichte einer ehemaligen Waldenserkolonie, Horb am Neckar 1999

Waldenserhäusle

Text und Bild aus Magazin Nr. 3

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